Die „1&1 Service Card“: Was ist das genau?

von Robert Nagel, am 20.8.2020

Im Juli 2020 gab der Mobilfunkanbieter „1&1“ die Einführung einer „Service Card“ bekannt. Hinter der virtuellen Kundenkarte verbirgt sich ein erweitertes Serviceangebot, das auch einen 24-Stunden-Austausch bei selbstverschuldeten Gerätedefekten inkludiert. Wir sehen uns dieses Angebot etwas genauer an.

1und1-Service-Card
Firmensitz von 1&1 in Montabaur (Quelle: 1&1)

Wer ist 1&1?

Der Mobilfunkanbieter 1und1 ist genauer als „1&1 Telecommunication SE“ firmiert. Die Europäische Aktiengesellschaft (SE = Societas Europaea) ist einer der führenden Anbieter von Breitband- und Mobilfunkprodukten in Deutschland. Als Mobilfunkprovider nutzt 1&1 die Netze der Mobilfunknetzbetreiber Telefónica und Vodafone. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der 1&1 Drillisch AG, welche wiederum Teil des Konzerns United Internet AG ist.

Die 1&1 Telecommunication SE erzielte im Geschäftsjahr 2019 nach eigenen Angaben mit rund 14,4 Millionen Kunden einen Umsatz von 3,67 Milliarden Euro.

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Was ist die „1&1 Service Card“?

1&1 Service_Card_Mobile-1

Im Juli 2020 stellte 1&1 mit großem werblichen Aufwand seine „1&1 Service Card“ vor. Hierbei handelt es sich um eine (virtuelle) Kundenkarte für Endverbraucher, hinter der sich erweiterte Kundenservices im Zusammenhang mit mobilen Endgeräten (Smartphones, Tablets, Laptops) verbergen. (Die Visualisierung der ansonsten rein virtuellen Karte links stammt von 1&1; eine physische Karte wird nicht ausgehändigt.)

Die Service Card wird kostenlos bereitgestellt. Alle Neukunden erhalten das Service-Paket automatisch mit Vertragsabschluss, Stichtag war der 1. Juli 2020. Auch Bestandskunden steht die virtuelle Kundenkarte ab diesem Datum im Kundenportal von 1&1 („Control-Center“) nunmehr automatisch bereit.

Erweiterte Services mit der Service Card

Hervorzuheben sind namentlich drei erweiterte Kundendienste.


Die Dienste der Service Card im Zusammenhang mit Mobilfunkverträgen (Screenshot: 1und1.de)

  1. Erstens wird mit einer „Priority Hotline“ das Versprechen abgegeben, direkt mit einem (menschlichen) Mitarbeiter verbunden zu werden. Das Unternehmen reagiert damit auf schlechte Nutzererfahrungen durch Call-Bots und automatische Service-Ansagen.

  2. Zweitens: eine Tauschprämie für Altgeräte bei Neuabschluss eines Mobilfunkvertrags. Hierbei muss der Vertrag aber auch zwingend ein Smartphone beinhalten.

  3. Drittens wirbt 1&1 mit einem 24-Stunden-Austausch im Fall eines Gerätedefekts, der auch selbst verschuldet worden sein kann. Klassiker sind hier: gebrochenes Display durch Sturz oder Wasserschaden, weil einem das Handy in die Spüle oder gar in die Toilette gefallen ist.

Video zum 24-Stunden-Austauschservice

Wieviel kostet die 1&1 Service Card?

Für die Kunden von 1&1 sind die erweiterten Services kostenlos. Allerdings gilt es durchaus, das Kleingedruckte zu beachten und sich einmal vor Augen zu führen, welche Kalkulation das Unternehmen hier vornimmt. Denn nur weil der angebotene Kundendienst keine eigens ausgewiesenen Zusatzkosten aufwirft, bedeutet dies nicht, dass Sie als Verbraucher unterm Strich nicht doch mehr bezahlen.

Service Card und Hardware-Subvention

1&1 arbeitet bei der Service Card mit einem im Grunde ganz simplen Kniff, den andere Mobilfunkanbieter ebenfalls nutzen. Grundlage hierfür ist die Subventionierung von Hardware durch die eigentlichen Mobilfunkverträge.

SIM-only-Tarif vs. Bundle-Angebot

Auf den 1&1-Angebotsseiten ist dies auch ganz transparent nachzuvollziehen: Verbraucher können sich bei Auswahl eines Tarifs für eine SIM-only-Variante entscheiden (das heißt: nur für die Mobilfunkleistung) oder für eine Variante mit subventioniertem Endgerät. Diese gebündelten Angebote nennt man Bundles.

Bundle-Tarife sind natürlich deutlich teurer als SIM-only-Tarife. Klar – schließlich haben die Mobilfunkanbieter keine iPhones zu verschenken und preisen die Geräte entsprechend bei den Bundle-Tarifen mit ein.

Der eigentliche Trick besteht nun darin, den Kunden so lange wie möglich in diesem teureren Produkt zu binden. Je länger er das subventionierte Smartphone in Verbindung mit dem teuren Tarif nutzt, umso größer ist die Marge des Providers.

Um die Gesamtbetriebskosten zu ermitteln, muss man diesen Punkt verstanden haben. Ich rechne es Ihnen mal vor.

Total Cost of Ownership (TCO) in 24 Monaten

Berechnen wir an einem Beispiel den TCO auf die Laufzeit von zwei Jahren: Dazu wählen wir den 1&1-Tarif „LTE L“ mit 20 Gigabyte Datenvolumen jeweils mit Smartphone (im Beispiel hier ein Samsung Galaxy S20) und ohne Smartphone.

Tarif „LTE L“
(ohne Bereitstellungsgebühren und Mehrwertsteuer-Abzug)
1&1 Service_Card_Tarif LTE L ohne Smartphone

 

1&1 Service_Card_Tarif LTE L mit Samsung S20
Variante SIM-only
(ohne Smartphone)
Bundle
(mit Samsung Galaxy S20)
1.-10. Monat 14,99 € 36,99 €
Summe 1.-10. Monat 10 x 14,99 € =
149,90 EUR
10 x 36,99 € =
369,90 €
11.-24. Monat 29,99 € 56,99 €
Summe 11.-24. Monat 14 x 29,99 € =
419,86 €
14 x 56,99 €
= 797,86 €
TCO (24 Monate) 149,90 € + 419,86 € =
569,76 €
369,90 € + 797,86 € =
1.167,76 €
Differenz Bundle/SIM-only 1.167,76 € - 569,76 € =
598,- EUR
monatliche Differenz ab 11. Monat Laufzeit 27,- €

 

Der Nutzer zahlt das Smartphone quasi selbst

Vergleicht man die TCO (Gesamtkosten) auf die Laufzeit von 24 Monaten wird schnell klar: Der Kunde zahlt das Smartphone mehr oder weniger selbst ab, denn das Bundle kostet im Vergleich zum reinen Mobilfunktarif ohne subventioniertes Gerät satte 598,- Euro mehr.

Das entspricht sechs Monate nach der Produkteinführung im März 2020 (UVP: 899,- Euro) ziemlich genau dem aktuellen Einkaufspreis für Galaxy-S20-Neugeräte, der bei ca. 635,- Euro liegt.

Service Card 1und1 PreisentwicklungVon 899,- Euro zu 635,- Euro:
Preisentwicklung des Samsung Galaxy S20 (Bild: idealo.de)

Je länger der Kunde dann den Bundle-Tarif mit dem subventionierten Gerät weiter nutzt, umso teurer wird für ihn anteilig die Gerätesubvention. Den Hardware-Anteil zahlt er nämlich ab dem 25. Monat fleißig weiter, obwohl das Gerät eigentlich ja bereits quasi vollständig von ihm finanziert wurde.

1und1 Service Card

Die monatliche Differenz beträgt im Beispiel oben immerhin 27,- Euro. Diese überweist der Verbraucher also ab dem 25. Laufzeitmonat für ein Gerät, das er zuvor bereits abbezahlt hat. Das Kalkül hierbei ist nun ganz augenscheinlich, dass Nutzer aus Bequemlichkeit oder Informationsmangel in ihrem bestehenden Bundle-Tarif längstmöglich verbleiben.

Das kann man natürlich in Bezug auf Transparenz gegenüber den Kunden durchaus kritisch betrachten, denn diese Rechnung wird selbstverständlich nicht proaktiv kommuniziert. Im Endeffekt liegt alles offen da – Verbraucher sind hier aufgerufen, selbst mitzudenken und vor allem mitzurechnen und sich nicht von angeblichen „iPhone 11 für 0 Euro“-Werbeversprechen blenden zu lassen. Damit ist lediglich gemeint, dass neben den Subventionen keine Einmalzuschläge für das Gerät fällig werden.

Verlängerung der Mietlaufzeit durch Services

Kommen wir nun zurück zu den erweiterten Dienstleistungen der „1&1 Service Card“, insbesondere dem Geräteaustausch. Vor dem Hintergrund obiger Berechnungen wird sogleich klar, dass dieses Angebot nur für Kunden gelten kann, die sich für ein Bundle entschieden haben – das ist verständlich. 

Werfen wir einen Blick in die Leistungsbeschreibung, stellen wir fest: Mit Inanspruchnahme des Austauschservices verlängert sich auch die Vertragslaufzeit um weitere 24 Monate.

Bei einem selbstverschuldeten Schaden kann der Kunde innerhalb der Mindestvertragslaufzeit,
jedoch frühestens 12 Monate nach der ersten Inanspruchnahme ein weiteres Mal den 1&1
Austausch-Service inkl. Austauschgerät und Vertragsanpassung wahrnehmen. Damit der Kunde
ein Ersatzgerät erhält, muss er einer neuen 24-monatigen Vertragslaufzeit zustimmen. Diese
beginnt ab dem Zeitpunkt der Einwilligung beim Agenten. Es fallen für den Kunden keine weiteren
Gebühren und Kosten an. Das Defektgerät verbleibt danach bei 1&1.
(Quelle: 1&1-Servicebeschreibung, Hervorhebung durch Autor)

Und das wiederum bedeutet, dass das eben Skizzierte eintritt: Der Kunde bleibt noch länger in seinem vergleichsweise teuren Tarif. Von den zwischenzeitlichen Bewegungen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt (Stichwort: mehr Daten für gleiches oder sogar weniger Geld) wird er also mindestens zwei weitere Jahre lang nicht profitieren können.

Da der Mobilfunkmarkt durchaus dynamisch ist, stellen zwei Jahre hier eine kleine Ewigkeit dar. Zur Orientierung: Das durchschnittliche Datenvolumen im Monat pro Mobilfunkanschluss in Deutschland verdreifachte sich innerhalb von zwei Jahren von 870 Megabyte (2017) auf 2.500 Megabyte (2019).

statistic_id3506_monatliches-datenvolumen-pro-mobilfunkanschluss-in-deutschland-bis-2019

Wie muss ich die Leistungen der Service Card einschätzen?

Ich übertrage hier eine Erkenntnis aus meinen Erfahrungen aus der B2B-Tarifbetreuung: Wer flexibel auf Marktentwicklungen reagieren will, ist mit einer SIM-only-Variante am besten beraten. Hier ist man am beweglichsten, was Tarife und Handymodelle angeht. Für selbstverschuldete Schäden gibt es Handyversicherungen, die zugegebenermaßen aber nicht so schnell reagieren werden wie der 24.-Stunden-Austausch von 1&1. 

SIM-only erfordert allerdings, dass man sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzt. Wer es lieber bequem hat und sich nicht daran stört, dass ihn diese Bequemlichkeit etwas mehr kostet, kann auch im Bundle bleiben. Die Service Card von 1&1 bietet dann sinnvolle Dienstleistungen.

Weblinks: 1&1 Service Card

b2b tarif beratung


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Themen:InsiderBusiness-Mobilfunktarife

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