5 Fakten zu Business-Tarifen, die die Mobilfunkanbieter lieber verschweigen

Von Jan Dzulko am 18.1.2019
Jan Dzulko
Vernetzen:
Mobilfunkanbieter locken Geschäftskunden gerne mit Bundles: Hier werden Flatrates und Datenpakete in Kombination mit scheinbar besonders günstigen Geräten angeboten. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wir sehen genauer hin, verraten Ihnen einige Tricks der Mobilfunkanbieter und räumen mit fünf hartnäckigen Mythen auf.

Willkommen im Geschäftskundentarif-Dschungel

Haben Sie sich als Endverbraucher angesichts des Tarif-Dickichts schon einmal die Haare gerauft? Die Angebote sind aufgrund verschiedener Rabattierungen, Sonderkonditionen und Kombinationen kaum transparent – kein Wunder also, dass sich Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox so großer Beliebtheit erfreuen.

Business-Mobilfunktarife everphone-1

Im Tarifdschungel: Bei Business-Tarifen sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht

Rahmenverträge als Rabatt-Vehikel

Bei den Geschäftskundentarifen ist die Situation noch unübersichtlicher. Grund hierfür sind die vielen verschiedenen Rahmenverträge. Über einen Rahmenvertrag können die Verkäufer der Netzbetreiber bzw. Service Provider Rabatte auf die monatlichen Grundgebühren einsteuern.

Aufgrund unserer eigenen Tarif-Beratungen wissen wir, dass es bei den drei großen Netzbetreibern in Deutschland (Telekom, Vodafone, Telefonica) hunderte verschiedener Rahmenverträge gibt. Das Resultat ist eine kaum zu überblickende Kombinationsmöglichkeit aus Tarifen, Rabatten und Sonderkonditionen über die Rahmenverträge.

 

Eskalations-Rahmenverträge

Die Netzbetreiber legen auf manche Vertragskonditionen einen Händlerausschluss, sodass nicht jeder Rabatt von jedem Händler angeboten werden kann. Unterschieden wird zudem zwischen Standard-Rahmenverträgen und Eskalations-Rahmenverträgen. Letztere bedürfen gewöhnlich der Zustimmung des Netzbetreibers, müssen also vom Händler mit dem Betreiber abgestimmt werden.

Rahmenvertrag Eskalationsvertrag Mobilfunkanbieter

 

Rabatte vs. Provisionen: Verhandlungsgeschick ist gefragt

Das Problem dabei ist: Prinzipiell stehen sich Rabatte und Verkäuferprovision diametral gegenüber. Je mehr der Sales Agent des Providers oder Händlers rabattiert, umso weniger Provision erhält er. Naturgemäß ist sein Interesse an einem kräftigen Rabatt auf die Grundgebühren also nicht so hoch wie das des Käufers.

Dennoch kann man mit geschicktem Verhandeln und etwas Glück auch sehr günstige Tarife abschließen. Das hat zwei Gründe.

Business-Tarife: Absatzvorgaben

Erstens haben die Verkäufer bestimmte Absatzvorgaben zu erfüllen. Gelegentlich gilt es beispielsweise, Lagerbestände abzuverkaufen.

Smartphones Absatzvorgaben

 

Business-Tarif-Boni

Zweitens: Die Vertriebspartner des Providers erhalten beim Abschluss von Mobilfunkverträgen Bonuszahlungen.

Diese Provisionierung kann auch gestaffelt erfolgen. Nehmen wir an, ein Partner-Provider erhält für den Verkauf von 5.000 Tarifen im Quartal einen Bonus von 25.000 Euro, beim Verkauf von 10.000 einen noch höheren. Die Verkäufer sind dann gelegentlich mit Blick auf die Bonuszahlung eher daran interessiert, überhaupt einen Abschluss zu erzielen, als eine hohe Provision für diesen einen Vertrag einzustreichen. Uns sind sogar Fälle bekannt, in denen die Händler bei den Tarifen draufzahlen – alles mit dem Ziel, die große Provision am Monats- oder Quartalsende zu kassieren.

Business-Tarife-Mobilfunk_Meme
Die Suche nach dem passenden Business-Tarif kann aufreibend sein

Es lohnt sich also durchaus, mit dem Verkäufer zu sprechen und nicht einfach den momentanen Fokustarif über die Website zu buchen.


Zwischen Smartphone-Schnäppchen, Sonderrabatten und Einmalzahlungen: Die größten Mythen bei Business-Mobilfunktarifen

Die Unzahl von Lockangeboten, die vielfältigen Rabatte und Bundle-Möglichkeiten erschweren den Überblick über die Business-Tarife erheblich. Wenn Sie eine größere Menge an SIM-Karten benötigen, können Sie im Zweifelsfall sogar einen eigenen Rahmenvertrag aushandeln.

Bei der Schnäppchenjagd nach günstigen Tarifen und Geräten gibt es eine Reihe von Mythen, die sich hartnäckig halten – auch weil sie teils von den Verkäufern aktiv gestützt werden. Nachfolgend klären wir die fünf hartnäckigsten Mythen rund um die Geschäftskundentarife auf.

 

Mythos 1: Mobilfunkanbieter erhalten saftige Herstellerrabatte auf Geräte

Oft genug lassen die Verkäufer durchblicken, sie erhielten „als Großabnehmer“ großzügige Rabatte von den Geräteherstellern wie Apple, Samsung, Huawei oder HTC. Diese angeblichen  Rabatte werden dann mit den üblichen verkaufspsychologischen Tricks („eigentlich darf ich das ja gar nicht“, „ausnahmsweise und nur heute“, „das machen wir aber nur für unsere treuesten Kunden“, „diesen Business-Tarif nutzen wir selbst auch“ …) weitergegeben.

Herstellerrabatte Business-Tarife_Meme

Die Fakten sehen aber ganz anders aus: Die Mobilfunkanbieter nehmen die Mobilgeräte nämlich gar nicht direkt ab, sondern beziehen sie von Systemhäusern (hier finden Sie eine Liste der aktuellen Top-Systemhändler in Deutschland). Diese erhalten natürlich Herstellernachlässe – wollen aber ja auch eine Marge erwirtschaften und geben diese dadurch nicht unverändert weiter.

Die oft erstaunlich niedrigen Hardware-Zuzahlungen in diversen Bundles und Lockangeboten kommen ganz anders zustande, siehe nächster Punkt.

 

Mythos 2: Im Bundle ist die Hardware deutlich billiger

Das kennen Sie bestimmt auch: Mobilfunkanbieter locken Geschäftskunden mit besonders günstigen Endgeräten. Oft winken bei der Hardware-Ausstattung mehrere hundert Euro Ersparnis, was für die Sparfüchse im Procurement und im Office Management natürlich sehr attraktiv ist.

Besonders bei den Top-Handymodellen werben die Mobilfunkanbieter gerne mit aggressiven Zuzahlungspreisen. Zuzahlungen von 99 Euro oder gar nur einem einzigen Euro sind keine Seltenheit – für Endgeräte mit einem UVP zwischen 500 und 1000 Euro oder noch höher. Wie kann das sein?

Die einfache Antwort: Die Geräte werden über den Tarif subventioniert. Hier lohnt es sich deswegen, genau hinzusehen: Mit welchem Tarif ist das Gerät im Bundle kombiniert? Was würde dieser Tarif oder ein Tarif mit vergleichbaren Leistungen als SIM-only-Variante kosten?

Meistens stellt sich heraus, dass ein SIM-only-Vertrag 30 oder gar 40 Prozent günstiger gewesen wäre. Das bedeutet: Die Anzahlung wird als Lockangebot zwar niedrig gehalten, das Gerät wird aber trotzdem abbezahlt. Nur eben nicht über die Anzahlung, sondern über die monatlichen Grundgebühren.

Business-Tarife Subventionierung Mobilfunk
Uh-oh. Bei Business-Tarifen lohnt es sich, genau hinzusehen

Oft zahlt der Kunde den tatsächlichen Wert des Handys über die Laufzeit komplett ab. So gesehen handelt es sich bei Bundles um einen verschleierten Ratenkauf eines Endgerätes in Kombination mit einem Tarif.

Meist gibt es mehrere Subventionsstufen. Bei Vodafone liegen diese beispielsweise in Schritten von fünf, zehn, 15 und 20 Euro vor. Man kann die Stufen übrigens in den öffentlich zugänglichen, wenn auch nicht besonders prominent platzierten Vodafone-„InfoDoks“ einsehen. Das Beispiel für den Geschäfts-Tarif „Red Business+“ von Vodafone finden Sie hier. Achten Sie auf die Preisunterschiede bei „mit Smartphone“ und „ohne Smartphone“.

Hierbei gibt es zwei ganz einfache Regeln, an die Sie sich bei der Auswahl von Geschäftskundentarifen erinnern sollten.

  1. Je höher bei einem Business-Tarif die Subventionsstufe ist, desto mehr verdient der Verkäufer.
  2. Je höher bei einem Business-Tarif die Subventionsstufe ist, desto niedriger sind die einmaligen Zuzahlungen. Wenn Sie das Gerät sehr günstig angeboten bekommen, ist dies also ein Hinweis auf eine möglicherweise recht hohe Subvention.

Alles klar soweit?
Wenden wir uns nun den sogenannten „Techfunds“ zu.

Mythos 3: Mit Techfunds kann man beim Gerätekauf kräftig sparen

Techfunds sind Gutschriften der Provider für Hardware. Unternehmen können diese dazu verwenden, Mobilgeräte in der gutgeschriebenen Höhe vom Provider zu beziehen.

Allerdings verlängert sich durch die Nutzung eines Techfunds fast immer automatisch auch die Laufzeit der bestehenden Mobilfunkverträge. Handelt es sich um eines der erwähnten Bundles mit Geräte-Subventionierung, wird also ein Vertrag mit einer eigentlich zu hohen Grundgebühr verlängert – zumeist um weitere 12 Monate.

Die „Einsparungen“ über den Techfund werden dadurch erheblich geringer; der Techfund verkommt dadurch von einem echten Vorteilspaket quasi zu einem Kundenbindungsmittel mit schwarzer Null, welches den Kunden möglichst lange in einem teuren Grundtarif halten soll.

Mobilfunkanbieter Techfunds

Trägt man sich bereits bei Vertragsabschluss mit dem Gedanken, einen Anbieter-Techfund zu nutzen, sollte man also die Beschaffungskosten der Hardware und die Tarifgebühren immer über 36 Monate kalkulieren.

 

Mythos 4: Eine One-Carrier-Strategie ist besser

„Da haben Sie dann alle Ihre Business-Tarife aus einer Hand“ – wenn Unternehmen sich dazu entscheiden (sollen), alle ihre geschäftlichen Mobilfunktarife bei einem einzigen Netzbetreiber oder Provider zu buchen, hat das scheinbar viele Vorteile. Man hat im Service nur einen Ansprechpartner, nur eine Kundennummer, weniger Aufwand …

Das klingt zunächst richtig. Tatsächlich hat es die meisten Vorteile nur für den Anbieter, nicht aber für Sie – es sei denn, Sie beauftragen ein so hohes Volumen, dass Sie in den Genuss besonderer Rabatte kommen.

Mobilfunkanbieter Policy

Wenn nicht, sollten Sie die Tarifauswahl am tatsächlichen Bedarf im Unternehmen ausrichten. Bedürfnisse und Nutzerverhalten innerhalb eines Unternehmens können sehr unterschiedlich sein: Der international reisende CEO benötigt höchstwahrscheinlich einen ganz anderen Tarif als der einfache Regionalverkäufer; ein Uralt-Nokia als Bereitschaftshandy braucht keine Datenverbindung etc.

Wenn Sie sich gedanklich von der One-Carrier-Strategie verabschieden, haben Sie schlicht mehr Auswahl: Sie vergleichen die Business-Tarife aller Anbieter und suchen entsprechend Ihrer Bedürfnisse genau den richtigen aus. Der Tarifdschungel bietet Ihnen hier also auch Vorteile. Bei einer Verbindlichkeit, die man für 24 oder 36 Monate eingeht, kann es sich durchaus lohnen, auch Consumer-Angebote und kleinere Anbieter mitzuvergleichen.

Bei Bedarf beraten wir Sie gerne: Machen Sie dazu hier den everphone-Check.


Mythos 5: Das geht nicht anders

Es gibt also durchaus Alternativen zu den Standardangeboten und Rahmenverträgen der Anbieter mit ihren Mietkauf-Angeboten. Wir von everphone empfehlen Ihnen: Denken Sie doch einmal darüber nach, Ihre Firmenhandys zu mieten und mit maßgeschneiderten SIM-only-Tarifen auszustatten.

 

Geschäftskundentarif_Mobilfunk_Meme

 

Der Vorteil: Sie haben nur die Geräte im Haus, die Sie wirklich wollen. Im Rahmen einer „Choose Your Own Device“-Vergabe können Sie sogar Ihre Mitarbeiter entscheiden lassen, welches Smartphone-Modell diese am liebsten nutzen würden – und das, ohne einen Cent mehr zu bezahlen.

Ein Mitarbeiter scheidet aus? Sie geben das Gerät einfach an uns zurück.
Ein Firmenhandy geht verloren? Löschen Sie per Remote-Wipe die Unternehmensdaten.
Das Gerät ist defekt? Wir tauschen es aus – in der Regel innerhalb von 24 Stunden.


Die everphone-Tipps für die Wahl des richtigen Business-Tarifs

Leider sind die Angebote der Mobilfunkanbieter bei den Business-Tarifen nicht so transparent, wie sich das so mancher Kunde wünschen würde.

Unsere Empfehlungen:

  • Legen Sie genau fest, welche Verbindungsansprüche (z. B. Telefon-Flat, Datenvolumen, …) Sie für welche Anzahl von Firmenhandy haben.

  • Legen Sie fest, welche Hardware Sie sich wünschen.

  • Denken Sie bei Ihren Berechnungen neben den Grundgebühren an die Einmalzahlungen und Aktivierungsgebühren.

  • Berechnen Sie die Subventionierungshöhe bei Bundles, um Tarife besser vergleichen zu können.

  • Vergleichen Sie Bundles mit SIM-only-Tarifen.

  • Überdenken Sie Ihre Carrier-Strategie.

  • Überdenken Sie die Deployment-Variante Ihrer Geschäftshandys.


Geschäftskundentarife der Netzbetreiber

Die aktuellen Business-Tarife finden Sie hier:


Geschäftskundentarife-Rechner


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Themen: Choose Your Own Device, Business-Mobilfunktarife

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