Podcast: virtuelle Fortbildungen und Messen (Jan Schellenberger)

von Robert Nagel, am 12.2.2021

Wenn man als Patient*in in die Zahnarztpraxis muss, hat man meist ganz andere Sorgen, als sich um den Digitalisierungsgrad des Praxisbetriebs Gedanken zu machen. Man fand höchstens die gegebenenfalls vorhandene Online-Terminvergabe ganz angenehm. Trotzdem findet auch in der Zahnarztpraxis Digitalisierung statt. Und genau darüber sprachen wir in der neuesten Folge des Digital-Makers-Podcasts mit Jan Schellenberger von Pluradent.

Digital-Makers-Podcast_Jan-Schellenberger_Pluradent

Zahnschmerzen bei der Digitalisierung

Sorry, aber das Wortspiel können wir uns einfach nicht verkneifen, wenn es um eines der führenden Unternehmen für Dentalfachhandel in Deutschland geht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die gesamte Gesundheits­branche sich mit der Digitalisierung schwer tut und sozusagen digitale Zahn­schmerzen hat.

Über diese „Pain Points“ sprachen wir im Digital-Makers-Podcast mit Jan Schellenberger. Jan ist CTO bei der Pluradent GmbH, einem bundesweit und über die Landesgrenzen hinaus aktiven Dental­fachhandels­unternehmen.

Im gesamten Gesundheitswesen haben wir das Phänomen, dass die Digitalisierung nicht im gleichen D-Zug-Tempo durchfährt wie in anderen Branchen.“
Jan Schellenberger

Pluradent GmbH

Die in Offenbach ansässige Pluradent GmbH & Co. KG hat es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, Zahnärzte, Zahnkliniken und Dental­labore mit allem für die Behandlung Nötigen zu beliefern – das Unternehmen versteht sich als Dienst­leister, der Zahnärzt*innen beratend unterstützt und zukunftsfähige (auch digitale) Lösungen und Konzepte für den Praxisbetrieb entwickelt.

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Der Standort in Offenbach (Bild) beherbergt neben der Niederlassung Rhein-Main auch die Zentrale. Pluradent ist zudem in 15 weiteren deutschen Städten sowie in Österreich und Dänemark vertreten (Bildquelle: Pluradent)

CTO Jan Schellenberger

Neben dem klassischen Dentalhandel legt Pluradent den Fokus also auf hochspezialisierte und hochwertige Dienstleistungen. Dazu ist es nötig, frühzeitig Trends zu erkennen, die sich aus der Dynamik des Marktes und den Herausforderungen für Zahnmediziner*innen und Zahntechniker*innen ergeben.

Pluradent-CTO Jan Schellenberger steht dafür, diese Trends zu identifizieren, er weiß aber auch, dass es bei Zahnarztpraxen besonders schwierig ist, digitale Innovationen einzuführen und umzusetzen.  

Es hängt an jeder Praxis selber: Wie stark klemmt sie sich dahinter? Auch im Schnittstellenbereich, im Datenworkflow, wie intensiv beschäftigt sie sich mit Lösungen? Diese Thematiken sind unfassbar schwer – und in Zahnarztpraxen ganz besonders, weil es niemanden gibt, der diese Innovationsprozesse antreibt.“

Virtuelle Konferenzen und Fortbildungen

Im Podcast-Gespräch mit Jakub Slawinski geht Jan insbesondere auf die Rolle digitaler Konferenzen und Fortbildungen ein. Diese Fortbildungen sind für Zahnärzt*innen nicht nur „nice to have“, sondern existenziell notwendig – denn die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen ist nach einem Punktesystem geregelt und für die weitere Zulassung als Zahnarzt in Deutschland erforderlich. Zahnärztinnen und Zahnärzte müssen sich also weiterbilden.

Durch die Kontaktbeschränkungen und den Lockdown im Verlauf der Covid-19-Pandemie wurde das Fortbildungswesen im medizinischen Bereich von innen nach außen gekrempelt. Pluradent bietet seit langem an seinen Standorten die Räumlichkeiten für physische Treffen. Schon aus praktischen und didaktischen Gründen: Medizinische Produkte werden oft erst beim Anfassen richtig verstanden und auch Fragen rund ums Praxismanagement werden in einer entsprechenden Praxisumgebung transparenter.

Pluradent-Berlin-5691Pluradent-Niederlassung in Berlin (Grafik: Pluradent)

Nun konnten ja aber Fachkongresse, Messen und Schulungen Corona-bedingt nicht mehr stattfinden und mussten ad hoc in den virtuellen Raum verlegt werden. Das stellt Schulungsanbieter aber vor große Herausforderungen, so Schellenberger. Die Probleme fangen bei der Buchung an und hören bei der Ausgestaltung der einzelnen Formate auf. Die angebotenen Lösungen sind oft noch nicht nutzerzentriert.

Der Zahnarzt nutzt bestimmte Systeme ja nicht täglich, sondern wahrscheinlich dreimal im Jahr. Und der hat alles andere vor an diesem Tag, aber bestimmt nicht das Erlernen eines Klickspiels. Das ist einfach keine gute Idee. (...) Alles ist superkomplex, ich muss Icons klicken, testen, was passiert – und gerade bei Medizinern ist die Toleranz/Zündschnur äußerst kurz.“

Eine Onlinekonferenz kann zwar physische Treffen überflüssig machen – es sei aber nicht ratsam, einfach das ursprünglich gedachte Format mit Vorträgen, Panels und so weiter ohne Anpassungen digital abzubilden, so Schellenberger. 

Diese Entwertung des Moments, indem ich einfach eine Aufzeichnung mache und mir dann irgendwie ein YouTube-Video angucken soll. Diese Vorstellung des Zuhörers, der zuhause sitzt und sich bei einem Online-Event genauso verhält, wenn er gelangweilt ist, wie bei einer Fortbildungsveranstaltung, wo er extra hingereist ist und jetzt mit vielen anderen in einem großen Raum sitzt. (...) Man kann den Online-Zuhörer nicht in einen Handlungsstrang hineinzwingen und ihn dazu zwingen, einem langweiligen Vortrag zuzuhören. Das ist ein Irrglaube.“

Entsprechend sieht Jan es als eine zentrale Herausforderung, nicht einfach nur Vorträge ins Digitale zu übertragen, sondern genuin neue Formate zu schaffen, die dem neuen virtuellen Medium besser entsprechen. Wie das aussehen könnte, erfahren Sie im Podcast.

Außerdem im Digital-Makers-Podcast:

  • wie Pluradent das Thema Eventmanagement vor und nach des Corona-Lockdowns anging,
  • wie man virtuelle Veranstaltungen für Ärzt*innen umsetzt,
  • warum es nicht reicht, physische Formate einfach digital abzubilden,
  • was eine „Digitalsprecherausbildung“ sein könnte und
  • welche Digitalisierungstreiber es in Arztpraxen gibt.

Hier hören Sie die Folge jetzt an:

 


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Themen:InsiderProduktivitätDigital Makers Podcast

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