Internationales Roaming als Kostentreiber bei Geschäftstarifen

von Shastha W. Don, am 24.6.2020

Immer wieder berichten mir Kunden davon, dass sie nach Auslandsreisen teils enorm hohe Telefonrechnungen von mehreren hundert oder gar tausenden Euro erhalten. Grund dafür sind meist Roaming-Gebühren für die mobile Datennutzung. Aber sind diese Kosten denn nicht gedeckelt?

Roaming Kosten Geschäftskunden
Roaming im Ausland mit dem Firmenhandy kann teuer werden. Sehr teuer sogar!

Internationales Roaming innerhalb und außerhalb der Europäischen Union

Unter „Internationalem Roaming“ versteht man die Nutzung der SIM-Karte des eigenen Mobilfunknetzanbieters (Betreiber des Heimatnetzes) im Mobilfunknetz eines anderen Landes (besuchtes Netz).

Über viele Jahre waren im Consumer-Markt die Verbraucher beim Roaming den teilweise absurd hohen Aufschlägen der Mobilfunknetzanbieter quasi schutzlos ausgesetzt. Die Fälle, in denen eine aus dem Urlaubsparadies nachtrudelnde Handyrechnung aus der Erholung ein Ärgernis machte, sind ungezählt. Die EU hat dem bunten Treiben lange zugesehen – erst im Juni 2017 wurde dieser für die Betreiber sehr lukrativen Praxis dann ein Riegel vorgeschoben.

EU-Roaming: „Roam like at Home“

Seitdem gilt in EU-Ländern das Prinzip Roam like at Home“. Im Grundsatz heißt dies, dass Nutzer ihren inländischen Tarif zu den gleichen Konditionen nutzen können wie zu Hause – allerdings wie erwähnt nur im EU-Ausland und einigen weiteren Ländern, die sich der EU-Roaming-Verordnung angeschlossen haben (namentlich Liechtenstein, Norwegen und Island).

Fair-Use-Regelung und Tarif-Aufschläge

Trotz dieser an sich klaren Regelung gibt es auch beim EU-Roaming noch Ausnahmen, allen voran die sogenannte Fair-Use-Regelung zur „angemessenen Nutzung“. Hier können Mobilfunkanbieter noch Aufschläge erheben, wenn die Nutzung von Roamingdiensten im Sinne der Regelung unangemessen ist.

Das wäre etwa der Fall, wenn Nutzer einen günstigen Tarif aus dem EU-Ausland dauerhaft in Deutschland verwenden. Die Provider ermitteln dies automatisiert über eine Analyse der Nutzungsprofile. 

Tarifbremse bei 59,50 Euro

Die Aufschläge sind allerdings minutiös geregelt und zudem gedeckelt, sodass eine Tarifbremse und damit ein Kosten-Airbag greift: bei 50 Euro, zuzüglich Mehrwertsteuer in Deutschland dann 59,50 Euro.

Diese Tarifbremse gilt übrigens weltweit – Nutzer erhalten eine Nachricht, sobald 80 Prozent des Betrags erreicht sind. Wird die Preisgrenze dann endgültig erreicht, folgt eine weitere Nachricht und die Teilnahme am Roaming wird unterbunden, bis der Nutzer ein Auslandspaket bucht (in aller Regel kostenpflichtig).

Bucht er kein Paket, steht kein mobiles Internet mehr zur Verfügung und der Nutzer muss sich von WLAN zu WLAN hangeln. Das ist zwar nicht bequem, dafür behält man die Kontrolle über die Kosten.

19,80 Euro pro Megabyte

Bei Preisen von bis zu 20 Euro pro Megabyte können allerdings schon der Versand eines einzigen Fotos per Mail, das Update einer App im Hintergrund oder ein paar WhatsApp-Sprachnachrichten das Budget sprengen.

Dazu hier beispielhaft der World-Data-Tarif von Vodafone: In Zone 4 (zum Beispiel: Mexiko, Indonesien, Russland, übrigens auch Roaming im Flugzeug) kosten 50 kB satte 0,99 Euro. Grob gerechnet also: 20 x 0,99 €/50 kB = 19,80 Euro pro Megabyte. In diesem Tarif würde also der Deckel schon bei drei verbrauchten Megabyte greifen.

Roaming Gebühren weltweit Vodafone Auszug aus der Vodafone-Preisliste
InfoDok 443: Vodafone World und World Data für Vertragskunden“ 

 

Tarifbremse bei Business-Tarifen

Das Prekäre bei den Business-Tarifen ist nun: Diese für die Endverbraucher verbindliche Kostenbremse von 59,50 Euro greift nicht! Denn die Bestimmungen für Geschäftskunden werden in der Regel durch die sogenannten Rahmenverträge festgesetzt. Und hier gelten im Kleingedruckten ganz andere Bedingungen.

Rahmenverträge mit Geschäftskunden basieren grundsätzlich auf maßgeschneiderten Angeboten, bei welchen auch abweichende Roamingleistungen vereinbart werden können. Natürlich lassen sich auch Vereinbarungen für die Gültigkeit eines Rahmenvertrags in Nicht-EU-Mitgliedstaaten treffen.

Was nun die B2B-Tarifbremse angeht: Unserer Erfahrung nach „deckeln“ die Mobilfunkanbieter bei Business-Tarifen erst deutlich später: bei sagenhaften 3.000 Euro.

High-Spender-Alarm bei 3.000 Euro

Erst wenn dieser enorme Betrag verbraucht wurde, löst der Nutzer einen sogenannten High-Spender-Alarm aus, welcher wiederum zur Buchung eines zusätzlichen Auslandsreisepakets führt.

Die Buchung wird vorgenommen, um das Unternehmen, zu dem der Business-Tarif gehört, „vor Schaden zu bewahren“ – dies teilte mir nonchalant einmal ein Servicemitarbeiter eines Providers mit. Als ob die dann ja bereits angefallenen 3.000 Euro für eine Mobilfunkrechnung kein Schaden seien.

Roaming im Business-Tarif: Reklamation und Rückerstattung

Es ist daher kein Wunder, dass sich die Mobilfunkanbieter regelmäßig schockierten und verärgerten Geschäftskunden gegenübersehen, die verständlicherweise die als unverhältnismäßig hoch empfundenen Roaming-Beträge reklamieren.

Das ist aus Unternehmenssicht auch durchaus empfehlenswert, denn die Provider verweisen zwar zunächst meist ablehnend auf die Bestimmungen der Rahmenverträge und auf die Standard-Kurznachricht, die beim Erreichen des Ziellandes und beim Einwählen in ein besuchtes Netz verschickt wird.

In vielen Fällen zeigen sich die Mobilfunkanbieter dann aber kulant und erstatten unserer Erfahrung nach regelmäßig 30-50 Prozent der Beträge zurück. Ein schaler Beigeschmack bleibt kundenseitig dennoch oft. Schließlich mangelt es hier entschieden an Transparenz seitens der Provider.

Lesen Sie hierzu auch: 5 Fakten zu Business-Tarifen, die die Mobilfunkanbieter lieber verschweigen 

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3.000 Euro für ein paar Videos

Auch die einzelnen Nutzer sind natürlich stark verunsichert, wenn die Verwendung eines Smart Devices ein solches Kostenrisiko darstellt. Muss man befürchten, dass die „eben mal schnell“ aufs Firmengerät heruntergeladene Präsentation, die Synchronisierung von Cloud-Diensten, Apps und Ordnern oder das Skype-Gespräch mit dem Team enorme Kosten und damit verbundenen Ärger bei der Kostenstellung hervorrufen, ist es mit der positiven User Experience dahin.

Und tatsächlich sollten Geschäftsreisende außerhalb der EU (das betrifft also auch die Schweiz) bei der Nutzung ihres Business-Mobilfunktarifs die größte Sorgfalt walten lassen und sich mit den Roaming-Bedingungen Ihres Rahmenvertrages minutiös genau auskennen. Denn die Kosten drohen ja wirklich.

Roaming Gebühren Business-Tarif
Das Herunterladen einer Präsentation kann im ungünstigen Fall mehrere hundert Euro kosten
 

Sonderfall: Satellitennetz bei Flugzeugen und Schiffen

Gewarnt sein müssen Reisende auch auf Schiffen und bei Flugreisen. Loggt sich ihr mobiles Endgerät nämlich in das sündhaft teure Satellitennetz ein, kann auch das zu drastisch erhöhten Rechnungen führen.

Denn:

  1. Satellitenverbindungen schlagen mit bis zu 30 Euro pro Megabyte zu Buche,
  2. der Datenkostenairbag gilt in Flugzeugen nicht und auch 
  3. die ansonsten weltweit verbindlichen Informationspflichten der Mobilfunkanbieter entfallen. Es gibt also auch keinen warnenden Hinweis per SMS.

Obacht ist dabei auch geboten, wenn Sie sich geographisch noch in der EU aufhalten. Das liegt daran, dass die Mobilfunknetze kurz nach der Küste nicht mehr erreichbar sind und sich gegebenenfalls das Endgerät unbemerkt mit dem Satellitennetz verbindet, sobald kein anderes Netz mehr zur Verfügung steht.

Wenn Sie sich für strategische Lösungen dieses Tarifproblems interessieren, finden Sie hier Informationen zu unserer B2B-Tarifbetreuung. Ansonsten helfen Ihnen vielleicht auch folgende Tipps schon weiter. 

Tipps zur Vermeidung hoher Roaming-Kosten

  1. Wenn Sie Ihre Tarifbedingungen nicht genau kennen, verzichten Sie im Nicht-EU-Ausland (und in der Nähe der Grenzen) lieber auf das Roaming. Deaktivieren Sie das mobile Internet an Ihrem Endgerät und stellen Sie das Roaming ab. Surfen Sie nur in WLAN-Netzen.
    1. Daten-Roaming bei Android deaktivieren
    2. Daten-Roaming beim iPhone deaktivieren

  2. Nutzen Sie bei längeren Aufenthalten eine lokale SIM-Karte mit einem lokalen Tarif. In vielen Geräten lassen sich per Dual-SIM zwei Karten verwalten, wobei Sie je nach Nutzungsbedarf die Einstellungen anpassen und wechseln können. Erfahren Sie hier mehr über Dual-SIM-Nutzungsszenarien.
     
  3. Nutzen Sie mit Ihren Endgeräten kein mobiles Internet in Flugzeugen oder auf Schiffen (teure Satellitenverbindungen).
    1. Aktivieren Sie in Flugzeugen oder auf Schiffen den Flugmodus.
    2. Buchen Sie bei Bedarf und Verfügbarkeit lieber eines der von vielen Flug- und Fährlinien bereitgestellten WLAN-Pakete, zum Beispiel das FlyNet der Lufthansa

  4. Achten Sie in der Nähe der EU-Außengrenzen genau darauf, in welchem Netz Sie sich befinden.

  5. Holen Sie frühzeitig vor der Reise Infos über Datenpakete Ihres Anbieters ein.

  6. Aktualisieren Sie Ihre Tarife, um veraltete Roaming-Konzepte zu eliminieren. Neue Tarifgenerationen haben oft ein paar Nicht-EU-Freiminuten oder kleine Datenpakete mit dabei, die das Schlimmste abfedern können.

  7. Überarbeiten Sie Ihre aktuelle Strategie für Telekommunikations-Kostenmanagement.
    Gerne helfen wir Ihnen dabei: Kontakt.

Weblinks: Internationales Roaming

 

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Themen:InsiderBusiness-Mobilfunktarife

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